Croissant

Zur Entstehungsgeschichte der Croissants, die man in Bayern Beugel nennt, gibt es verschiedene Anekdoten. Die schönste handelt von der Belagerung Wiens 1683 durch die Türken. Heimlich wollten die Angreifer nachts einen Tunnel unter der Stadtmauer graben, das bemerkten die Wiener Bäcker, die ihrem Handwerk gemäß schon früh mit Ihrer Arbeit begannen. Sie warnten das Militär, sodass die Belagerung der Stadt durch das osmanische Reiches abgewehrt wurde. Von ihrer Euphorie getragen erfanden die Bäcker noch am gleichen Tage ein leicht gezuckertes Gebäck aus eihaltigem Plunderteig, dass dem türkischen Halbmond nachempfunden war. So konnten die Wiener als Zeichen ihres Sieges jeden Morgen in den halben Himmelskörper beissen.

Das St. Oberholz bietet heute Croissants vom biologischen Backwerk MOIN aus Glückstadt bei Hamburg an. Hans-Paul Mattke, Gründer und Betreiber, stellt durch seine Art zu backen grundlegende Fragen zur zeitgemäßen Ernährung und liefert gleichzeitig kunstvolle Antworten ohne künstliche Zusatzstoffe, die klassische Backwaren so schmecken lassen wie sie schmecken sollten. Und wie sie vermutlich den Wienern im 17. Jahrhundert nach der erfolgreichen Verteidigung ihrer Stadt geschmeckt haben werden.

Heute kann man über die verschiedenen Gerichte der türkischen Küche die in der Welt verbreitet sind, unterschiedlicher Meinung sein, aber zweifelsfrei sollte unser tiefer Dank an das türkische Militär gehen, ohne dessen Hilfe wir eines der schmackhaftesten Tagesstarter nie erhalten hätten.
Wenn wir alles Historische abstreifen und uns vorstellen, dass wir morgens in einen unpolitischen Halbmond beissen, können wir uns fragen, ob es sich um eine zunehmende oder abnehmende Mondsichel handelt und was das für den Rest unseres Tages bedeuten könnte. Sind wir aus Sternenstaub, so kann es nur gesund sein halbe Planeten zu verspeisen.

Die Abbildung oben zeigt die Belagerung Wiens durch die Türken 1683, Creative Common license, Radierung von Romeyn de Hooghe